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Charles Dickens’ Klassiker auf der Bühne im Musiksaal – ein Ensemble, das über sich hinauswuchs

Charles Dickens nannte den Roman das „Lieblingskind seiner Phantasie“. Es ist ein Stoff, der Bühnen seit über hundertfünfzig Jahren beschäftigt und der jedes Regieteam vor dieselbe Frage stellt: Wie erzählt man ein ganzes Leben an einem einzigen Abend? Die Theater-AG der Friedrich-Boysen-Realschule Altensteig hat darauf im Musiksaal eine Antwort gefunden, die das Publikum weit über den Schlussapplaus hinaus beschäftigt hat.

David Copperfield – ein Stoff für ein großes Ensemble

London, Mitte des 19. Jahrhunderts: David Copperfield wird als Waisenkind in eine schwierige Zeit hineingeboren. Er muss vor seinem hartherzigen Stiefvater und der ausbeuterischen Arbeit in dessen Flaschenfabrik fliehen. Nach schrecklichen Tagen auf der Straße schlägt sich der Zehnjährige zu seiner einzigen Verwandten durch – zu Tante Betsey, die ihn bei sich aufnimmt. Schritt für Schritt kann David seinem vermeintlichen „Schicksal“ entkommen und, wie Tante Betsey sagt, „das Unglück müde machen“.

Auf diesem Weg begegnen ihm die skurrilsten Figuren der Weltliteratur: die eigenwillige Tante Betsey, der aalglatte Uriah Heep, der kalte Mr. Murdstone, der liebenswert verschrobene Mr. Dick, die stille Agnes Wickfield.

Eine dramaturgisch kluge Entscheidung der Inszenierung: David wurde von drei Spielern verkörpert – als Kind, als Jugendlicher und als Erwachsener. So wurde der Entwicklungsweg der Figur auf der Bühne unmittelbar sichtbar. Ein Erzähler führte durch die Handlung und hielt die weit gespannte Geschichte zusammen.

Die Besetzung der Theater-AG

Michelle Vincon (Erzähler), Niklas Schäfer (David Copperfield – Kind), Christoph Lehmann (David Copperfield – Jugendlicher), Yannik Braun (David Copperfield – Erwachsener), Emma Waidelich (Agnes Wickfield), Marie Hoffmann (Tante Betsey), Alina Spät (Uriah Heep), Ally Linderich (Dora Spenlow), Nico Bagg (Mr. Murdstone), Virginia Gai (Mr. Dick), Annabell Peri (Mr. Spenlow), Diana Kühn (Gauner).

Ein herausragendes Ergebnis

Was im Musiksaal zu sehen war, ging deutlich über das hinaus, was man von einer Schul-Theater-AG erwarten würde. Der Wechsel zwischen komischen und tragischen Passagen – bei Dickens oft nur eine Szene voneinander entfernt – wurde souverän gemeistert. Die Spielerinnen und Spieler hielten die Spannung über die gesamte Länge, mit klarer Sprache und präziser Bühnenpräsenz. Sorgfältig gearbeitete Kostüme und ein liebevoll gestaltetes Bühnenbild versetzten den Musiksaal glaubhaft ins viktorianische London.

Besonders beeindruckt hat das Zusammenspiel: Es gab keine Solonummern, sondern ein Ensemble, das sich gegenseitig zuspielte und trug. Der Applaus am Ende war lang – und er galt sichtbar nicht der guten Absicht, sondern der Leistung.

Dank an die Leitung der Theater-AG

Geleitet wurde die Theater-AG von Frau Miriam Frölich und Frau Miriam Joos. Ihnen gilt der Dank der Schulgemeinschaft: für die monatelange Probenarbeit, für die Geduld, für das Vertrauen in die Jugendlichen – und dafür, einem anspruchsvollen Klassiker eine Bühne gegeben zu haben, auf der die Schülerinnen und Schüler über sich hinauswachsen konnten.

Genau das ist Theater an unserer Schule: ein Raum, in dem junge Menschen erfahren, was sie können, wenn sie sich gemeinsam etwas zutrauen.

Theater-AG der Friedrich-Boysen-Schule bei einer Schüleraufführung mit Schauspiel, Kostümen, Bühnenszenen und Schlussapplaus.

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